Bioweinlexikon

Bioweinlexikon

Hier beginnen wir unser kleines Bioweinlexikon, das wir, soweit es unsere Zeit zulässt, in den nächsten Monaten oder Jahren ergänzen werden. Wir versuchen Begriffe zu erklären, die in unserem Shop genannt werden, oder die vor allem einen Bezug zu unseren Winzern und Weinen haben.

Bioweinbau und seine Entstehung:

Der "moderne konventionelle" Weinbau mit Hilfe künstlicher Mineraldünger und chemisch-synthetischer Spritzmittel begann ab 1950. Bis dahin könnte man die Weinbautechniken als biologisch bezeichnen, wäre nicht ein Spritzmittel mit der Bezeichnung Kupfervitriol eingesetzt worden.

Die Mehrheit der Winzer versprach sich vom damals modernen Weinbau weniger Arbeit und höhere Ernteerträge. Sein Nachteil trat erst mit einiger Verzögerung zu Tage: Winzer und Arbeiter im Weinbau erkrankten im Umgang mit den Spritzmitteln, das Trinkwasser in Weinbaugemeinden wies giftige Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf, die Weinbergböden verdichteten sich, Erosionen waren die Folge, Mikroorganismen im Boden sowie alle nützlichen und schädlichen Insekten wurden gleichzeitig vernichtet. Das natürliche Gleichgewicht im Weinberg ging mit dem konventionellen Weinbau verloren.
Aufgrund dieser Tatsachen formierte sich um 1960 der biologische Weinbau aus Winzern, die dem „chemischen“ Weinbau kritisch gegenüberstanden. Ihr Credo lautete: ein Weinbau der uns selbst, den Reben, dem Boden, der Umwelt schadet und den Wein nicht verbessert, kann für den Weintrinker nicht gut sein. Engagierte Bioweinbauern, Landwirte, Weinbauingenieure und Wissenschaftler gründeten Bio-Weinbauverbände, erstellten Richtlinien für den Bio-Weinbau, schulten ihre Mitglieder, kontrollierten die Einhaltung der Richtlinien, die später die Grundlage für die heute EU-weit geltende Öko-Verordnung bildeten, die auch den biologischen Weinbau sowie die Vermarktung von Wein aus biologisch erzeugten Trauben regelt.

Die Entstehung der EU-Ökoverordung

Bis zum Inkrafttreten der Bioverordnung (EWG) 2092/91 am 1. Januar 1993 bewegte sich die biologische Landwirtschaft, besonders aber der biologische Weinbau in einer gesetzlichen Grauzone.

In vielen Ländern existierten bis dahin Verbände für den Biolandbau- und Bioweinbau, die den Landwirten und Winzern nicht nur beratend zur Seite standen, sondern auch ihre Mitglieder kontrollierten. Die von ihnen jeweils verfassten Richtlinien listeten die nicht erlaubten und erlaubten Dünge- und Pflanzenschutzmittel auf und setzen Höchstgrenzen für deren Verwendung fest. Manche dieser Verbände betreuten nur/auch Winzer und Weingüter mit ihren ganz spezifischen Problemen im Agrarbereich, sowie bei der eigentlichen Weinbereitung.
Damit waren trotz aller Differenzen zwischen den einzelnen Verbänden, unterschiedlicher Richtlinien und Kontrollverfahren ein allgemein akzeptierter Rahmen vorhanden, der jedoch für Verbraucher kaum nachvollziehbar war. Die Begriffe „nachvollziehbar“ und „überprüfbar“ war das Ziel des Gesetzgebers, den gesamten Biobereich neu zu ordnen. Die Richtlinien der Anbauverbände bildeten dafür die Basis.

Für die Vermarktung von Biowein (umgangssprachlich) lautetete die gesetzlich korrekte Bezeichnung ab dem Inkrafttreten der Bioverordnung (EWG) 2092/91 „Wein aus ökologisch erzeugten Trauben“. Wobei die Beschreibung dieser Produkte als Bioweine von offizieller Seite bisher nicht beanstandet wurde. Der Grund für diese Deklaration lag in einer fehlenden EU-weiten Verordnung über die Weinbereitung und deren Technik und Hilfsmittel.

Die europäische Kommission verhandelte mehrere Jahre lang mit den Interessenvertretern der Bioweinerzeuger der unterschiedlichen Weinbauländer und scheiterte unter anderem am Versuch, die Schwefelhöchstwerte beträchtlich unter das Niveau konventioneller Weine festzusetzen vor allem am Widerstand der deutschen und österreichischen Verhandlungspartner. Ein Kompromissvorschlag von französischer Seite wurde von der EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos abgelehnt, weil damit dem Verbraucher kein positives Signal für das der EU-Kommission wichtige Thema aussendet.
Mit dieser Entscheidung änderte sich formal für den Bioweinbau nichts. Die Mitgliedschaft von Biowinzern und Weingütern bei privaten Anbauverbänden, deren Regeln generell strenger sind als die von der EU festgesetzten, sind gegen Bezahlung eines Mitgliedsbeitrags nach wie vor möglich, sie ist aber nicht Voraussetzung zur Erzeugung oder Vermarktung von Bioweinen. Dafür genügt es, von einer unabhängigen, vom Staat autorisierten Kontrollinstanz gem. der Verordnung geprüft zu werden. Diese Vorschrift gilt übrigens auch für Weinhändler, die Bioweine an Wiederverkäufer oder im Internet verkaufen.

Mit Inkrafttreten einer neuen EU-Verordnung zum 1. August 2012 die eine ökologische Wirtschaftsweise ohne chemisch-synthetische Spriztmittel voraussetzt und für die Weinbereitung Mindestandards hinsichtlich der Weinbereitung und vor allem der Schwefelung von Wein festlegt, dürfen Weine die entsprechend erzeugt wurden, als Bioweine bezeichnet und Verkauft werden. Voraussetzung ist jedoch, dass sich nicht nur Winzer, sondern auch Anbieter von Biowein - auch wenn sie nicht in den Anbau oder Wenbereitung eingreifen - einer kostenpflichtigen Kontrolle (Zertifzierung) unterziehen müssen. Diese Regelung wird von vielen Anbietern unterlaufen, um dich jährlich anfallenden Kosten von mehreren hundert Euro zu sparen. Insgesamt trägt diese Regelung nicht nur zur Verteuerung von Bioweinen bei, deren Erzeugung ohnehin wesentlich mehr als die konventioneller Weine kostet, ist sie aus Umweltschutz- und Gesundheitsgründen ungerecht. Denn die konventionelle Weinerzeugung belastet nicht nur die Umwelt mit giftigen Chemiekalien und die Gesundheit der Konsumenten, ohne dass deren Kontrolle für die Weinindustrie und den Handel kostenpflichtig wäre.


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