Bioweinbau und seine Entstehung

Bioweinbau und seine Entstehung

Die Entwicklung der modernen Weinbautechnik mit Chemikalien zum Bioweinbau

Der "moderne" Weinbau mit Hilfe künstlicher Mineraldünger und chemisch-synthetischer Spritzmittel begann ab 1950. Bis zu diesem Zeitpunkt kann man die Weinbautechniken als biologisch bezeichnen, wäre nicht ein Kupferpräparat eingesetzt worden.

Umgangssprachlich wird "chemischer Weinbau" als "konventioneller Weinbau" bezeichnet.


                                                                                                                                                       konventionell mit Herbiziden behandelter Weinberg im Fühling, deshalb wachsen keine Gräser und Kräuter mehr zwischen den Reben                 Konventionell mit Herbiziden bearbeiteter Weinberg im Frühling, in dem nur noch Reben wachsen
 

Die Mehrheit der Winzer versprach sich vom damals modernen Weinbau weniger Arbeit und höhere Ernteerträge. Sein Nachteil trat erst mit einiger Verzögerung zu Tage: Winzer und Arbeiter im Weinbau erkrankten im Umgang mit den Spritzmitteln, das Trinkwasser in Weinbaugemeinden wies giftige Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf, die Weinbergböden verdichteten sich, Erosionen waren die Folge, Mikroorganismen im Boden sowie alle nützlichen und schädlichen Insekten wurden gleichzeitig vernichtet. Das natürliche Gleichgewicht im Weinberg ging mit dem konventionellen Weinbau verloren. Aufgrund dieser Tatsachen formierte sich um 1960 der biologische Weinbau aus Winzern, die dem „chemischen“ Weinbau kritisch gegenüberstanden. Ihr Credo lautete: ein Weinbau der uns selbst, den Reben, dem Boden, der Umwelt schadet und den Wein nicht verbessert, kann für den Weintrinker nicht gut sein. Engagierte Bioweinbauern, Landwirte, Weinbauingenieure und Wissenschaftler gründeten Bio-Weinbauverbände, erstellten Richtlinien für den Bio-Weinbau, schulten ihre Mitglieder, kontrollierten die Einhaltung der Richtlinien, die später die Grundlage für die heute EU-weit geltende Öko-Verordnung bildeten, die auch den biologischen Weinbau sowie die Vermarktung von Wein aus biologisch erzeugten Trauben regelt.

Alle qualitätsorientierten Winzer sind überzeugt davon, dass die Qualität eines Bioweines zu 80 bis 90 % von Ihrer Arbeit im Weinberg abhängt. Dementsprechend viel Arbeitszeit wird deshalb der Bodenbearbeitung und der Pflege der Reben gewidmet. Wer soviel Zeit und Arbeitskosten im Weinberg einsetzt, wird auch im Keller bei der Weinbereitung sorgfältig arbeiten.

 

This is how an organic vineyard looks in Spring  with flowers and weeds and herbs

                So sieht ein Bioweinberg im Frühling aus, der nicht mit Herbiziden behandelt wurde
 

Im Bioweinberg tragen zahlreiche unterschiedliche Pflanzen zur Entstehung einer organisch reichhaltigen Erde voller Mikroorganismen bei.

Bis zum Inkrafttreten der Bioverordnung (EWG) 2092/91 am 1. Januar 1993 bewegte sich die biologische Landwirtschaft, besonders aber der biologische Weinbau in einer gesetzlichen Grauzone. Für die Vermarktung von Biowein (umgangssprachlich) lautete die gesetzlich korrekte Bezeichnung ab dem Inkrafttreten der Bioverordnung (EWG) 2092/91 „Wein aus ökologisch erzeugten Trauben“. Wobei die Beschreibung dieser Produkte als Bioweine von offizieller Seite bisher nicht beanstandet wurde. Der Grund für diese Deklaration lag in einer fehlenden EU-weiten Verordnung über die Weinbereitung und deren Technik und Hilfsmittel.

Mit Inkrafttreten einer neuen EU-Verordnung zum 1. August 2012 die eine ökologische Wirtschaftsweise ohne chemisch-synthetische Spritzmittel voraussetzt und für die Weinbereitung Mindeststandards hinsichtlich der Weinbereitung und vor allem der Schwefelung von Wein festlegt, dürfen Weine die entsprechend erzeugt wurden, als Bioweine bezeichnet und Verkauft werden. Voraussetzung ist jedoch, dass sich nicht nur Winzer, sondern auch Anbieter von Biowein - auch wenn sie nicht in den Anbau oder Weinbereitung eingreifen - einer kostenpflichtigen Kontrolle (Zertifizierung) unterziehen müssen.

Der biodynamische Wein - Bau

Die für den Bioweinbau geltenden Einschränkungen hinsichtlich der Verwendung von Chemikalien gelten ebenso für den biodynamischen Wein. Aus anthroposophischer Sicht ist Landwirtschaft und somit auch ein Weingut als eine individuelle Einheit mit einem ganz eigenen Biotop mit einer möglichst großen Artenvielfalt an Tieren, Vögeln, Insekten und Pflanzen zu verstehen. Dafür sollten möglichst viele unterschiedliche Pflanzen angebaut und Hecken und Bäume an Wegrändern gepflanzt werden. Die nachhaltige Bearbeitung und die Fruchtbarkeit der Böden wird durch die Haltung unterschiedlicher Nutztiere, vor allem Wiederkäuer (Rinder aber auch (Schafe, Pferde) im Verhältnis zur bearbeiteten Fläche gefördert. Der von den Nutztieren stammende Mist soll zusammen mit anderen anfallenden organischen Stoffen kompostiert und als Dünger verwendet werden. In Ausnahmefällen darf Mist von anderen ökologisch arbeitenden Landwirten hinzugekauft werden. Während die Umstellungsphase vom konventionellen (mit Chemie) auf Bioweinbau 2,5 –3 Jahre dauert, sind für den biologisch-dynamischen Weinbau 6–7 Jahre vorgeschrieben. Erst dann sind die zuvor verwendeten Chemikalien im Boden abgebaut und die gewünschte Bodenvitalität mit ausreichenden Mikroorganismen erreicht. Der Grund für diese lange Umstellungsphase liegt in der These des Anthroposophen Rudolf  Steiner, des Begründers der biodynamischen Landwirtschaft, dass Pilzkrankheiten (sie verursachen im Weinbau die größten Schäden) der Pflanze das Ergebnis eines gestörten Gleichgewichts des Bodens und der Umgebung ist.

Um dieses Gleichgewicht und eine gesunde Bodenfruchtbarkeit zu erlangen,

werden 8 biodynamische Präparate von den Landwirten meist selbst hergestellt und angewandt. Sie sind nummeriert von 500–507 und bestehen aus folgenden Bestandteilen:

  • 500 Hornmist - Kuhmist wir in ein Kuh-Horn gefüllt und über den Winter im Boden vergraben, im Frühjahr mit Wasser in gleichmäßiger, kreisender Bewegung verrührt (diesen Vorgang, den man aus der Homöopathie kennt, nennt man dynamisieren) und in homöopathisch kleiner Menge im Weinberg zur Verbesserung des Bodens versprüht.
  • 501 – Hornkiesel - fein gemahlener Bergkristall wird in ein Kuh-Horn gefüllt und während des Sommers im Boden vergraben. Es wird während der nächsten Vegetationsphase mit Wasser dynamisiert und zur Verbesserung der Photosynthese auf die Reben gesprüht.
  • 502 – 507 basieren auf Kompost, dem Blüten von Schafgarbe, Kamille, Löwenzahn sowie Eichenrinde in Pulverform oder als Presssaft von Baldrianblüten zugegeben werden um die Aktivität der Kleinlebewesen im Kompost zu erhöhen.

Im biodynamischen Weinbau werden zudem alle Arbeiten im Weinberg und im Keller unter Berücksichtigung der kosmischen Rhythmen und dem Stand der Gestirne durchgeführt. Hierbei findet der Mondkalender mit Aussaattagen und Fruchttagen von Maria Thun Berücksichtigung. Gemeinsam ist dem biologischen als auch dem biodynamischen Wein - Bau, dass die Verwendung von  Kupfer und Schwefel zur Pilzbekämpfung in geringen Mengen erlaubt sind.

Aus unserer Erfahrung führt der Weg vieler Winzer zuerst vom konventionellen Weinbau zum biologischen und dann zum biodynamischen Weinbau.

Viele Erzeuger biologischer Weine wenden mehr oder weniger nach biodynamischen Regeln, ohne darauf hinzuweisen. Andere die dem Demeterbund angehören, müssen dessen Richtlinien einhalten, die auch kontrolliert werden. Ob diese Regeln durchgehend eingehalten und wirksam kontrolliert werden können, wage ich bei bei biodynamischen Weinen die weniger als 8 Euro kosten zu bezweifeln, denn der Arbeitsaufwand ist im Vergleich zur Erzeugung "normaler" Bioweine wesentlich höher.

In Frankreich gibt es ausserdem noch den Verband biodyvin der sich speziell dem biodynamischen Weinbau widmet und dort eine vergleichbare Funktion erfüllt wie der Demeterbund.

Wer mehr über den biodynamischen Weinbau erfahren möchte, dem empfehle ich das Buch „Beseelter Wein“ von Nicolas Joly.

Folgende biodynamische Weine versenden wir an Genießer:

Château Romanin in der Provence

Domaine La Marseillaise in der Provence

Corte Sant Alda im Veneto